06.02.2010

Zeitungsartikel:

Bei der Wehr ist Feuer unterm Dach

  PLEINFELD - Die Pleinfelder Feuerwehr ist derzeit ohne Vorsitzenden. Bürgermeister Josef Miehling trat einige Tage nach der jüngsten Jahreshauptversammlung des Feuerwehrvereins vom Vorsitz zurück. Vorausgegangen waren dem Rücktritt heftige Worte eines Feuerwehrlers, der dem Pleinfelder Rathauschef mangelnde Unterstützung und Anerkennung für die Feuerwehrarbeit vorgeworfen haben soll. Auslöser des Streits war offensichtlich ein langgehegter Wunsch der Feuerwehr, der immer wieder vertagt wurde. Am Donnerstag dürfte mit einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss der Stein des Anstosses wieder aus dem Weg geräumt worden sein.

“Beschluss über die Übernahme der Sanierung der Tore im Feuerwehrhaus Pleinfeld mit Installation einer Absauganlage für die Feuerwehrfahrzeuge” - so lautete der Tagesordnungspunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung in Pleinfeld. Leidlich spannend, sollte man meinen. Und doch wurde er von rund 230 Pleinfeldern enorm hoch gehängt: Den Mitgliedern der Feuerwehr. Denn seit Jahren wurden sowohl die Absauganlage als auch die Tore immer wieder verschoben und nicht im Haushalt der Gemeinde eingebucht. Was bei der jüngsten Sitzung des Feuerwehrvereins unter anderem dazu führte, dass Bürgermeister Josef Miehling als Vorsitzender des Feuerwehrvereins zurückgetreten ist.

Der Rücktritt des Rathauschefs wird in der Rezatgemeinde indes unterschiedlichst interpretiert. Feuerwehrkommandant Erich Herzner glaubt, das Miehling letztlich zurücktrat, weil der Beschwerdeführer der Feuerwehr, der dem Bürgermeister mangelnde Unterstützung vorgeworfen haben soll, Applaus von der gesamten Mannschaft erhielt. Altbürgermeister Otto Feil soll weiteres Öl in die schon angeheizte Stimmung gegossen haben und den Feuerwehrlern geraten haben: “Das braucht ihr euch nicht bieten lassen.” Danach habe er die Versammlung verlassen.

Miehling selbst begründet seinen Entschluß nicht mit verletztem Ehrgefühl, sondern damit, dass er schon seit Langem einem Interessenskonflikt ausgesetzt sei: Als Bürgermeister muss er die Interessen aller Bürger vertreten, als Vorsitzender die Interessen der Feuerwehr. “Das ist schwierig”, hat der Gemeindechef schon des öfteren erkennen müssen und zog deshalb seine Konsequenzen. “Das hat in keinster Weise etwas mit einer Geringschätzung der Feuerwehr zu tun", betont Miehling gegenüber unserer Zeitung und legt Wert darauf zu sagen: “Wir haben nicht gestritten.”

Eine Lesart, die in Pleinfeld nicht jeder unterschreiben würde. Bei der Jahreshauptversammlung soll es durchaus laut geworden sein, berichten gut unterrichtete Kreise. “Von aufgeheizter Stimmung” war sogar die Rede. Und offensichtlich sind nicht wenige Feuerwehrler der Ansicht, dass die Wertschätzung für die Feuerwehrarbeit unter Altbürgermeister Otto Feil größer war. So werde unter Miehling die Leistung nicht anerkannt und auch die Jugendfeuerwehrarbeit nicht ausreichend gewürdigt, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Feil habe dagegen immer klar gesagt: “Das geht oder das geht nicht.”

Die seelischen Verletzungen der Floriansjünger jedenfalls scheinen tief zu sein. Offensichtlich musste der Bürgermeister den Sündenbock für die Einsparungen spielen, die alle Gemeinderäte mitgetragen haben. “Die Feuerwehr hat offensichtlich nicht erkannt, dass auch hier gespart werden muss”, sagte Gemeinderat Alfred Forster (FW). Dagegen habe sich der gesamte Gemeinderat auf ein Sparpaket geeinigt. SPD-Fraktionsvorsitzende Inge Dorschner sieht es ähnlich: “Das Konsolidierungsprogramm war einstimmig. Wir machen immer noch genügend freiwillige Leistungen für die Feuerwehr.” Miehling jetzt an den Pranger zu stellen und zu behaupten, dass Bürgermeister Feil mehr für die Feuerwehr getan habe, verdrehe die historischen Wahrheiten, glaubt Dorschner: “Feil hatte eine ganz andere finanzielle Situation als wir heute.”

Inzwischen will man die Wogen wieder glätten und das Thema am liebsten ganz totschweigen. Bei einem Treffen am vergangenen Wochenende, an dem die Fraktionsvorsitzenden, der Vorstand der Feuerwehr und der Bürgermeister teilnahmen, habe man die Missverständnisse weitestgehend ausgeräumt.

Am Donnerstag setzte dann auch der Gemeinderat geschlossen ein Zeichen, dass er hinter der Feuerwehr steht und gab grünes Licht für die Absauganlage und die neuen Tore des Feuerwehrhauses. Im Haushalt 2010 sind beide Posten enthalten.

Kritische Stimmen sehen in dem Gemeinderatsbeschluss ein Friedensangebot an die Feuerwehr. Jetzt muss nur noch der Feuerwehrverein schnellstmöglich einen neuen Vorsitzenden wählen, dann dürfte das Thema wohl endgültig vom Tisch sein. Denn rein rechtlich ist der Feuerwehrverein ohne Vorsitzenden kein Verein mehr. Bürgermeister Miehling glaubt, dass die Neuwahl einen großen Vorteil hat: “Es ist besser, wenn die Interessen der Feuerwehr künftig durch einen unabhängigen Vorsitzenden vertreten werden.”

(Artikel von Markus Steiner aus dem Weißenburger Tagblatt vom 06./07. Februar 2010)


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