28-jährige Mischelbacherin gesteht vor Gericht

Drei Brände auf dem Hof gelegt

Vernachlässigung durch den Ehemann und Überforderung als Motiv - Zweites Geständnis widerrufen

  NÜRNBERG/MISCHELBACH - Gestern Vormittag hat der Prozess gegen die mutmaßliche Brandstifterin von Mischelbach vor dem Nürnberger Amtsgericht begonnen. Die 28-jährige Angeklagte räumte ein, dreimal Feuer auf ihrem eigenen Hof gelegt zu haben. Als Motiv gab sie Wut auf ihren Mann an, weil der sie vernachlässigt habe. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mischelbacherin allerdings noch eine versuchte Brandstiftung sowie eine durch Brand verursachte Sachbeschädigung vor.

Sechs Brände in einem Jahr. Der kleine Pleinfelder Ortsteil Mischelbach lebte in Angst. Nun hat die juristische Aufarbeitung der Brandstiftungsserie begonnen. Bereits jetzt ist klar: Der Prozess in Nürnberg wird nicht alle Fragen klären.

Margin C. (Name von der Redaktion geändert) hat vor dem Nürnberger Amtsgericht drei Brandstiftungen gestanden. Ende August vergangenen Jahres habe sie aus Frust über die Vernachlässigung ihres Mannes den Stall des eigenen Hofes angezündet. Im Heuboden brannte sie mit einem Feuerzeug das dort gelagerte Heu an, im Erdgeschoss ließ sie einen Papiersack in Flammen aufgehen. Danach sperrte sie eine Tür des Stalls ab und kehrte ins benachbarte Haus zurück. Als eine Nachbarin den Brand bemerkte und warnte, half die 28-Jährige mit, das Vieh aus dem Stall zu treiben. Das Feuer beschädigte den Stall schwer. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf 160 000 Euro.

Noch drei Brände offen

Dasselbe Gebäude ging bereits im November erneut in Flammen auf. Wieder sei persönliche Enttäuschung und Überforderung die Motivation für die Brandstiftung gewesen, gab die junge Frau in Nürnberg an. Gleiches gilt auch für den dritten Brand im gleichen Gebäude im Februar diesen Jahres. In beiden Fällen entstand nur geringer Sachschaden.

Für drei von sechs Bränden scheint somit die Täterin gefunden. Wer für die restlichen drei verantwortlich ist, steht weiter in den Sternen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 28-Jährigen vor, im November am Tag des Brandes auf ihrem eigenen Hof auch noch rund 250 Strohballen auf einem Feld der Nachbarn in Brand gesetzt zu haben. Außerdem vermutet sie, dass Margit C. auch hinter dem Brand der Scheune auf einem benachbarten Grundstück Mitte Februar steckt. Die junge Frau und ihr Mann, der mittlerweile die Scheidung eingereicht hat, waren mit dem Ehepaar befreundet.

Die 28-Jährige hatte bei einer Zeugenvernehmung Ende Februar zunächst die Brandstiftungen auf dem eigenen Hof gestanden. Einen Tag später gab sie bei einem erneuten Verhör auch die beiden anderen Taten zu. Zwischenzeitlich hat Margit C. dieses zweite Geständnis widerrufen.

“Ich wollte meine Ruhe. Ich hab nimmer konnt′. Dann hab′ ich mer dacht′, ob drei oder fünf ist doch auch schon egal”, erklärte sie nun vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft ließ sich davon nicht überzeugen. Vor allem, weil Margit C. bei der Vernehmung in Ansbach detailliert Auskunft über den Brand bei den Nachbarn geben konnte. Bei der Vernehmung sei “Täterwissen” zutage getreten, das so nicht bekannt war, sagte einer der beiden Kriminalbeamten, die C.s Aussage aufgenommen hatten.

Bekannt waren diese Informationen allerdings auch dem Nachbarn, bei dem es gebrannt hat, räumte der die Untersuchungen leitende Kriminaler ein. Margit C. hatte zuvor angegeben, sich am Abend des Brandes mit dem Nachbarn über das Thema unterhalten zu haben.

Nachbarn als Zeugen

Das will das Gericht überprüfen und lädt nun das benachbarte Ehepaar als Zeugen vor Gericht und außerdem den Noch-Ehemann der mutmaßlichen Brandstifterin. Die Sitzung wurde gegen Mittag unterbrochen und vertagt. Sollte sich bei dem neuen Termin nun herausstellen, dass Margit C. tatsächlich mit dem Nachbarn über den Brand gesprochen hat, scheint die Staatsanwaltschaft bereit, die beiden zusätzlichen Vorwürfe fallen zu lassen.

Dann könnte Margit C. auf eine Bewährungsstrafe hoffen und damit aus der Haft entlassen werden. Schön für die junge Frau, schlimm für die Mischelbacher, die sich dann fragen dürften, gelegt hat. Unklar ist in jedem Fall noch Brand Nummer sechs. Vor drei Wochen ging erneut die Scheune der Nachbarn in Flammen auf und wurde dabei komplett zerstört. Sachschaden: 400 000 Euro. Die 28-Jährige saß zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Wochen im Gefängnis.

Laut Kriminalpolizei laufen derzeit noch die Ermittlungen. Eine technische Ursache des Brands könne noch nicht ausgeschlossen werden. Hinter den Kulissen allerdings ist man sich einig: auch das jüngste Feuer geht auf die Rechnung eines Brandstifters. Der wäre dann in jedem Fall noch auf freiem Fuß.

(Artikel von JAN STEPHAN aus dem Weißenburger Tagblatt vom 16.07.2010, Lokalteil S. 1)