Ermittelnder Kriminalbeamter in Sachen Mischelbach

Brandstifter kommt aus dem Ort

“Der große Unbekannte kann es nicht sein” -
Neubauer geht davon aus, dass es einen Feuerteufel gibt

  MISCHELBACH (js) - Die Brandserie in Mischelbach ist nicht vollständig aufgeklärt. Die Kriminalpolizei Ansbach glaubt, dass mindestens ein Brandstifter noch frei herumläuft. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um einen Einheimischen handelt.

  “Seit 1983 hat es in Mischelbach 27 Fälle von Brandstiftungen gegeben.” Josef Neubauer, der ermittelnde Kriminalbeamte in der aktuellen Brandserie, sitzt auf der Zeugenbank im Nürnberger Amtsgericht und macht eine kleine Pause. Diese unglaubliche Zahl soll bei jedem ankommen. 27 Brände in 27 Jahren, in einem 400-Seelen-Dorf. “Frau C. (Name von der Redaktion geändert) ist 1981 geboren, die Brandserie hat 1983 begonnen. Da gibt′s noch welche”, ist sich der Kripomann sicher.

  Nach einer Pause von 2003 bis 2009 gingen in dem Pleinfelder Ortsteil in diesem und im vergangenen Jahr wieder mehrfach Scheunen, Ställe und Strohballen in Feuer auf. Innerhalb von einem Jahr brannte es sechsmal. Immerhin drei Feuer scheinen nun geklärt. Eine 28-jährige Mischelbacherin hat gestanden, dreimal den eigenen Stall angezündet zu haben (wir berichteten).

Kein großer Unbekannter

  Offen sind allerdings noch zwei Brände auf dem benachbarten Grundstück. Zwischenzeitlich hatte Margit C. auch diese zugegeben, das Geständnis aber wieder zurückgenommen. Das Gericht ist geneigt, ihr zu glauben. Am Dienstag, 27. Juli, sollen die Aussagen ihres Ehemanns und der beiden Nachbarn Licht in die Sache bringen. In jedem Fall noch offen ist ein Scheunenbrand auf dem Nachbargelände Ende Juni. Zu der Zeit saß Margit C. bereits in Untersuchungshaft. Zwar gibt es noch keine Bestätigung, ob es sich bei dem Feuer um Brandstiftung handelte, hinter vorgehaltener Hand ist man sich aber einig, dass auch hier jemand nachgeholfen hat.

  Eine einheimische Brandstifterin hat Mischelbach schon zu verzeichnen. Neubauer glaubt, dass es mindestens noch eine zweite Person gibt. “Der große Unbekannte kann es in Mischelbach nicht sein”, sagte der Kriminalbeamte vor Gericht. “Der Täter muss sich mit den Gegebenheiten sehr genau auskennen.” Kaum vorstellbar, dass sich der Brandstifter ohne intime Ortskenntnisse mehrfach unbemerkt in die Scheune der Nachbarn von Margit C. schleichen konnte. Erst recht nicht, nachdem das ganze Dorf höchst wachsam ist. Vieles deutet darauf hin, dass der Feuerteufel selbst ein Mischelbacher ist oder eine persönliche Beziehung zu dem Dorf hat.

  Das macht die Arbeit für die Kripo nicht leichter. “Wir haben in alle Richtungen ermittelt”, drückte sich Josef Neubauer in Nürnberg vage aus. Seine weiteren Erläuterungen zeigten aber, dass bereits etliche Namen auf der Verdächtigenliste der Polizei standen. Zuvorderst Thomas G., der bereits vor rund zehn Jahren in Verdacht war, der Mischelbacher Feuerteufel zu sein.

  Ein Polizeihund hatte Brandgeruch an seiner Kleidung ausgemacht, das reichte der Polizei, ihn in Untersuchungshaft zu stecken. Erst nachdem es in Mischelbach erneut gebrannt hatte, kam er nach gut 100 Tagen in der Zelle frei. Der Freistaat muss ihm nun eine Entschädigung zahlen. Für den jüngsten Brand Ende Juni hat Thomas G. ein solides Alibi. Damit dürfte er endgültig aus dem Spiel sein.

  Inwieweit das für die anderen Verdächtigen gilt, ist unklar. Margit C. selbst hatte nach Informationen unserer Zeitung den Verdacht auf Thomas G. gelenkt. Zudem ermittelte die Krimp mit großem Einsatz gegen einen weiteren Mischelbacher, der mit Margit C.s Nachbarn im Streit liegt. Die Beamten hörten dessen Telefonleitung ab und überwachten sein Anwesen mit Kameras. Eine davon wartete auch bei Margit C. auf dem Hof auf den Brandstifter. Natürlich erfolglos, die Bäuerin war von der Kripo informiert worden. Sie wartete, bis die Kamera im Januar wieder abgebaut worden war und zündete im Februar erneut ihren eigenen Stall an.

Gutachten dauert drei Monate

  Mittlerweile sind auch die Mitglieder einer privaten Geburtstagsfeier in Verdacht geraten. Zumindest für einen Brand. Josef Neubauer wollte vor Gericht nicht ausschließen, dass einer der Feiernden für den Brand von 250 Strohballen auf einem Feld im November vergangenen Jahres verantwortlich ist. Dieses Feuer wird im Moment noch der 28-jährigen Mischelbacherin angelastet.

  Viele offene Fragen und im Moment kaum Antworten. Die Polizei tappt weiter im Dunkeln und hat auch organisatorische Probleme. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Brandgutachter des Landeskriminalamtes überlastet, jetzt muss die Kripo das Gutachten über die Ursache des jüngsten Feuers bei einem Privatunternehmen in Auftrag geben. Neubauer räumte auf Nachfrage ein, dass ein endgültiges Ergebnis der Untersuchungen bis zu drei Monate auf sich warten lassen könnte.

(Artikel aus dem Weißenburger Tagblatt vom 23.07.2010, Lokalteil S. 1)