Prozess am Nürnberger Amtsgericht

Brandstifterin ist frei

Die Mischelbacherin wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

  MISCHELBACH/NÜRNBERG - Der Prozess um die Mischelbacher Brandstifertin ist gestern vor dem Nürnberger Amtsgericht zu Ende gegangen. Die 28-jährige Frau wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die junge Frau kam noch gestern frei und fuhr zu ihren Eltern in einem Pleinfelder Ortsteil.

  Dr. Sigurd Schacht nicht seiner Mandantin auf der Anklagebank aufmunternd zu, als Richterin Engelhardt das Urteil verkündet hatte. Es war ein Erfolg. “Mehr war nicht herauszuholen”, kommentierte der Gunzenhausener Anwalt später. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von drei Jahren gefordert. Die hätte die junge Frau im Gefängnis verbringen müssen. Bewährung gibt es nur bis zu einer Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren. Dass es genau darauf hinauslief, lag an einer verständnisvollen Richterin und - noch mehr - daran, dass das Geriht die 28-Jährige in zwei Fällen frei sprach.

  Die Staatsanwaltschaft hatte ihr insgesamt fünf Delikte im Zeitraum von August 2009 bis Februar 2010 vorgeworfen - darunter drei Feuer auf dem eigenen Hof. Die spielten im Verlauf des Prozesses bald keine große Rolle mehr. Offen und ohne Ausflüchte gestand die Mischelbacherin, diese drei Brände gelegt zu haben. Als Motiv gab sie vor Gericht Überforderung durch die Arbeitsbelastung sowie mangelndes Verständnis und fehlende Zuwendung durch ihren Ehemann an.

  Beim ersten Brand im August entstand ein Schaden von rund 180 000 Euro. Als sie im November erneut im Stall zündelte, konnte das Feuer schnell gelöscht werden. Die Tat wurde als versuchte Brandstiftung gewertet. Gar nur als Sachbeschädigung ging die Brandstiftung Ende Februar dieses Jahres durch, weil die Mischelbacherin im Moment des Brandes das Unrecht ihrer Tat einsah, und selbst für die Alarmierung der Feuerwehr gesorgt hatte.

  Entscheidend für das Urteil wurde die Frage, ob die 28-Jährige auch auf dem Nachbarhof gezündelt hatte. Im November gingen 250 Strohballen auf einem Feld in Flammen auf, Mitte Februar brannte die Scheune auf dem Nachbarhof. Die Mischelbacherin hatte in einem zweiten Verhör durch die Kriminalpolizei auch diese Taten gestanden, und im Fall des Scheunenbrands auch detaillierte Aussagen zum Tathergang gemacht. Das Geständnis aber widerrief sie zwischenzeitlich. Die Informationen über die Brandstiftung habe sie aus einem Gespräch mit dem Nachbar-Ehepaar am Abend des Brandes.

  Am gestrigen, zweiten Verhandlungstag bestätigten die Nachbarn und der Ehemann der 28-Jährigen, dass es dieses Gespräch gegeben habe. Alle drei wollten sich allerdings nicht erinnern, dass dabei derart detailliert über den Hergang des Brandes gesprochen worden sei. Auf Nachfrage der Richterin konnten sie dies allerdings auch nicht definitiv ausschließen.

  “Wenn man jemanden verurteilt, muss man nicht absolute Sicherheit haben, aber es darf keine begründeten Zweifel geben”, sagte Richterin Engelhardt in ihrer Urteilsbegründung. Genau die sah sie bei den beiden Bränden auf dem Nachbarhof. Sie halte es für möglich, dass die junge Frau unter dem Druck des Verhörs beide Taten zugegeben habe. Dass die 28-Jährige für die Schilderung von drei Bränden einen Tag gebraucht habe, für die beiden anderen aber nur eineinhalb Stunden, führte sie als ein Indiz für ihre Unschuldsvermutung an. Zudem gibt es bei bei einer von der Mischelbacherin im Laufe des Verhörs angefertigten Skizze zu dem Stallbrand Unstimmigkeiten. Es fehlen wichtige Details und die Position der einzelnen Brandherde ist nicht korrekt.

  Strafmildernd wirkte sich auch das schriftliche Gutachten des Arztes am Landgericht Ansbach aus. Er empfahl dem Gericht, der Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit zuzugestehen. Der Arzt hatte ein Persönlichkeitsdefizit und eine depressive Anpassungsstörung bei der jungen Frau attestiert. “Es besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen den Taten und der Persönlichkeit”, heißt es in dem Gutachten. Die Angeklagte habe eine verminderte Frustrationstoleranz und habe sich von ihrem Mann vernachlässigt und ausgenutzt gefühlt.

  Dagegen wandte sich ein Verwandter des Mannes im Laufe des Prozesses. Nach der Beweisaufnahme ließ er der Richterin eine schriftliche Gegendarstellung überreichen, dass es der Frau nicht an Unterstützung gemangelt habe. Richterin Engelhardt bewertete das allerdings als “nicht relevant für die Beweisaufnahme”.

Job in kirchlicher Einrichtung

  Die 28-Jährige kam gestern frei, und fuhr nach Angaben ihres Anwalts am Nachmittag zu ihren Eltern. Dort soll sie nun erst einmal zur Ruhe kommen. Der ehemalige Pleinfelder Ortspfarrer Willibald Brems hat sich gegenüber Sigurd Schacht bereit erklärt, für die junge Frau eine Arbeitsstelle in einer kirchlichen Einrichtung in der Diözese Eichstätt zu suchen. Das ist offensichtlich auch der Wunsch der 28-Jährigen. Auf die Frage der Richterin, wie sie sich das weitere Leben in Freiheit nun vorstelle, antwortete sie knapp: “Na Arbeit...”

  Die hat sie zunächst in jedem Fall. Denn das Gericht erlegte ihr zusätzlich zu der Freiheitsstrafe noch 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf. Außerdem muss sie sich in psychotherapeutische Behandlung begeben, um ihre Persönlichkeitsstörung anzugehen und das Geschehene zu verarbeiten.

(Artikel von JAN STEPHAN aus dem Weißenburger Tagblatt vom 28.07.2010, Lokalteil S. 1)