28.12.2010

Zeitungsartikel:

Drei Feuer in Mischelbach sind noch immer nicht geklärt

Auch der sechste Brand war gelegt

Die Ansbacher Kriminalpolizei hat die Ermittlungen vorerst eingestellt -
Der Täter muss Ortskenntnisse haben - 27 Fälle seit 1983

  MISCHELBACH (js) - Der Mischelbacher Brandstifter bleibt auf freiem Fuß. Die Ansbacher Kriminalpolizei hat die Ermittlungen im Zuge einer Brandserie Anfang des Jahres abgeschlossen. Die Akten liegen nun bei der Staatsanwaltschaft. Mit dem Vermerk “Täter unbekannt”.

  Mittlerweile ist auch das bestätigt, was ohnehin alle vermutet hatten. Auch das sechste Feuer binnen zwölf Monaten in dem Pleinfelder Ortsteil war eine Brandstiftung. Das bestätigte nun Polizeisprecher Robert Schmitt auf Anfrage unserer Zeitung. Als Ende Juni dieses Jahres eine Scheune in Mischelbach in Flammen ausging, war das die endgültige Gewissheit, dass die Serie von Brandstiftungen mindestens zwei Täter haben musste. Denn eine 28-jährige Mischelbacherin saß zu diesem Zeitpunkt bereits wegen der Brände in Untersuchungshaft. Sie wurde später auch verurteilt - allerdings nur für drei Brände. Damit sind drei Brandstiftungen in Mischelbach ungeklärt.

  Eine Tatsache, die den Ermittlungsleiter bei der Kriminalpolizei nicht sonderlich verwundern dürfte. Er hatte von Anfang an darauf hingewiesen, dass er die psychisch labile Bäuerin nicht für den Mischelbacher Feuerteufel halte, sondern für eine Trittbrettfahrerin. Vor Gericht erinnerte er daran, dass es seit 1983 in dem Pleinfelder Ortsteil 27 Fälle von Brandstiftungen gegeben habe. Da die Angeklagte erst 1981 geboren ist, könne sie schwerlich für diese Serie verantwortlich gemacht werden. Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass es sich um eine Person mit Ortskenntnis handeln muss. Anders lasse es sich nicht erklären, dass der Feuerteufel immer dann zündelt, wenn gerade keiner im Stall ist.

Fall nicht “ad acta” gelegt

  Trotz intensiver Ermittlungen hat die Ansbacher Kriminalpolizei keine Hinweise auf den möglichen Täter gefunden. “Die Spuren sind abgearbeitet, die Ermittlungen vorerst abgeschlossen”, sagte Pressesprecher Schmitt. Das bedeute aber nicht, dass der Fall ad acta gelegt werde, betonte er. “Mischelbach ist bei der Ansbacher Kriminalpolizei weiter ein Thema. Der Täter braucht sich, wenn er das liest, nicht in Sicherheit wiegen. Es ergibt sich in solchen Fällen immer wieder etwas Neues.”

  Im Zuge der Ermittlungen hatte die Kripo schwere Geschütze aufgefahren. Die Beamten arbeiteten unter anderem mit Videoüberwachung und hörten Telefone von Verdächtigen ab. Allerdings ohne Erfolg. Zunächst geriet ein allinstehender Mann aus dem Ort in Verdacht. Ein Polizeihund hatte Brandgeruch an seiner Kleidung ausgemacht; das reichte der Polizei, ihn in Untersuchungshaft zu stecken. Erst nachdem es in Mischelbach erneut gebrannt hatte, kam er nach gut 100 Tagen in der Zelle frei.

  Dann verkündete das Polizeipräsidium Mittelfranken in einer Pressemeldung “Brandstiftungen geklärt” und verhaftete die 28-jährige Frau, die wenig später auch alle fünf Brände gestand. Erst kurz vor dem Gerichtsprozess nahm sie ihr Geständnis in Teilen zurück. Die Richterin glaubte ihr: Die Mischelbacherin wurde lediglich für drei der sechs Brandstiftungen verurteilt.

(Artikel aus dem Weißenburger Tagblatt vom 28. Dezember 2010, Lokalteil S. 1)


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