Zivilcourage
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Zupacken statt Zuschauen bei Gewalt und sonstigen Unglücksfällen

Jahresaktion: Feuerwehren werben für Zivilcourage mit Verhaltenstipps

Zusammen mit der Dominik-Brunner-Stiftung (www.dominik-brunner-stiftung.de) werben die Feuerwehren Bayerns in einer Jahresaktion für Zivilcourage bei Gewalt und sonstigen Unglücksfällen. Mit einem energischen Eingriff, entschlossenem Handeln und deutlichen Worten soll gezeigt, dass es mit dem richtigen Verhalten einfacher als gedacht ist, zuzupacken statt zuzusehen oder gar wegzuschauen.

Gefahrlos Handeln

Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten bei Straftaten oder Unglücksfällen helfen. Straftaten werden hierdurch vereitelt oder “gebremst”. Manchmal hilft schon ein lautes Wort oder eine kleine Geste, um den Täter einzuschüchtern und von seinem Vorhaben abzubringen. Wichtig ist eine umsichtige Reaktion. Niemand erwartet, dass die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird. Es empfiehlt sich eher auf das Opfer einzugehen und Hilfe anzubieten, als den Täter direkt anzusprechen. Dadurch vermeidet man, selbst attackiert zu werden. Den Täter und sich selbst nie provozieren, bzw. reizen lassen. Wichtig: Den Täter nicht duzen, weil sonst Passanten einen persönlichen Konflikt vermuten könnten.

Bei Unglücken kann jeder die Unfallstelle absichern, indem man ein Warndreieck aufstellt, Entstehungsbrände löscht, Personen aus brennenden Fahrzeugen zieht, Betroffene betreut oder sich als eventueller Einweiser aufstellt.

Mithilfe fordern

Oft genug geschieht es am helllichten Tag und unter aller Augen: Mitten in der Fußgängerzone, beim Einkaufen oder in belebten öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Mensch wird bestohlen, beraubt, bedroht oder gar zusammengeschlagen. Viele haben es gesehen, doch die Meisten wenden sich einfach ab. Dabei hätte Schlimmeres so einfach verhindert werden können - indem alle gemeinsam eingeschritten wären. Nicht warten, dass “irgend jemand, irgend etwas unternehmen” wird. Als Erste(r) reagieren, andere gezielt auf das Verbrechen ansprechen: “Sie, der Herr im Polohemd, helfen Sie mir.” Appellieren Sie laut und deutlich: “Sie, die Dame mit dem Hut. Rufen Sie die Polizei.” Gemeinsam helfen, ist auch ein guter Ansatz bei allgemeinen Unglücksfällen zu helfen.

Opfer versorgen

Erste Hilfe ist die beste Hilfe. Jedes Opfer / jeder Verunfallte muss sofort versorgt werden, denn oft entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Das gilt für die Opfer einer Straftat, genauso wie für die eines Verkehrsunfalls. Mit einfachen Maßnahmen beispielsweise einer Schocklage oder der stabilen Seitenlage kann wirkungsvoll geholfen werden. Alarmieren Sie schnellstmöglich den Rettungsdienst (Notruf 112). Helfen kann jeder, nichts zu tun ist immer die schlechteste Option. Jeder sollte über eine Auffrischung seiner Erste-Hilfe-Kenntnisse nachdenken. Man sollte sich immer vor Augen führen, dass in der eigenen Familie auch einmal jemand Hilfe benötigen könnte.

Genau Hinsehen

Jedes Detail ist wichtig. Wie groß ist der Täter? Welche Haarfarbe hat er? Wie war er bekleidet? Mit welcher Automarke ist er entkommen? Verbrechen geschehen nicht selten in Bruchteilen von Sekunden. Die Täter schlagen zu und machen sich blitzschnell aus dem Staub, ohne dass man direkt eingreifen hätte können. Trotzdem ist auch in diesem Fall eine Hilfe sehr wichtig: Sie haben die Szene aufmerksam beobachtet? Sie wissen, in welche Richtung der Täter entkommen ist? Sie haben sich Auffälligkeiten gemerkt oder sogar notiert?

Oftmals entfernen sich Personen von Unfallstellen und werden anschließend gesucht, weil die Einsatzkräfte glauben, die Person irrt in einem Schockzustand umher. Oft sind es vermeintliche Nebensächlichkeiten, die am Ende den Ausschlag geben, dass ein Verbrechen aufgeklärt werden kann. Ohne genaue Beschreibung kommen Ermittlungen schlecht voran. Alle Beobachtungen sollten der Polizei möglichst detailliert mitgeteilt werden.

Der Notruf 110 (Polizei) für Verbrechen oder der Notruf 112 (Rettungsdienst/Feuerwehr) ist schnell gewählt. Zeigen Sie keine Scheu vor einem Notruf und verständigen Sie die Polizei lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Als Zeuge mithelfen

Viele Täter kommen ohne Strafe davon, weil sich Zeugen nicht bei der Polizei melden. Sei es aus Angst, Zeitmangel oder einfach aus Bequemlichkeit. Verbrecher werden dadurch geradezu ermutigt, Ihre Straftaten fortzusetzen. Um derartigen Auswüchsen vorzubauen, ist die Polizei auf Ihre Hilfe angewiesen. Ohne eine genaue Beschreibung des Geschehens und des Täters ist seine Überführung nur sehr schwer möglich.

(Musterpressetext des LFV Bayern e. V., überarbeitet von F. Heller)

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