Zivilcourage
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Einsätze sind nicht planbar

Feuerwehr und Familie

Leider nur hin und wieder erfahren Feuerwehrleute Anerkennung. Ein aufmunterntes Klopfen auf die Schultern, ein anerkennendes Nicken, ein paar salbungsvolle Worte, wenn sie wieder einmal freiwillig und ehrenamtlich ihren Mitbürgern zu Hilfe geeilt sind. An die dahinter stehenden Frauen und Kinder jedoch, die das Engagement ihres Familienmitglieds ebenfalls mittragen müssen, wird noch weniger häufig gedacht. Nicht selten nehmen Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren durch ihren Feuerwehrdienst Nachteile in der Familie oder beim Arbeitgeber in Kauf, wenn es darum geht, Mitbürgern in Not zu helfen.

Ein Beispiel: Es ist Sonntagmorgen. Der Tag mit der Familie ist seit Tagen geplant. Man sitzt am Mittagstisch, und dann löst der Meldeempfänger aus und ruft zu einem Großeinsatz. Der Tag ist gelaufen! So oder ähnlich sieht es häufig bei Angehörigen von Freiwilligen Feuerwehren aus. Sie fragen dabei nicht nach dem Wieso und Warum, sie lassen im wahrsten Sinn alles stehen und liegen und legen Hand an, um ehrenamtlich dem in Not geratenen Nächsten zu helfen. Beispielhaft sei hier die Zahl von über 8.000 Personen genannt, die allein auf Bayerns Strassen jährlich von den Feuerwehren mit Rettungsspreizer und Rettungsschere aus Fahrzeugen befreit und gerettet werden.

Zeiten, bei denen das Feuerwehrmitglied im Einsatz oder auch bei einer Übung ist, fallen bei der Familie weg. Dies wirkt sich direkt auf das Familienleben aus. Der Partner muss Verständnis für dieses “besondere Ehrenamt” Feuerwehr mitbringen, damit es im Familienleben keine Spannungen gibt.

Im Jahr 2009 leistete die Pleinfelder Feuerwehr 61 Einsätze, also mehr als ein Einsatz pro Woche. Dabei wurden knapp 1400 Einsatzstunden geleistet, also bei rund 60 aktiven Feuerwehrlern über 20 Stunden im Jahr nur an Einsatzdienst. Hinzu kommen die regelmäßigen Übungen und Schulungen, während der Vorbereitung z. B. auf Leistungsprüfungen mehrfach in der Woche.

Bislang noch völlig unberücksichtigt blieb die Belastungen psychischer Natur, denen die Angehörigen sich stellen müssen, wenn Vater oder Mutter, der Ehemann, der Lebensgefährte oder das Kind zum Einsatz gerufen werden. Immer wieder müssen die Angehörigen hoffen, dass ihr Familienmitglied gesund wieder zurück kehrt.

Leider wird das Engagement der Ehrenamtlichen und die Belastungen, die sie und ihre Familien auf sich nehmen, oft verkannt, wenn das liebe Geld beginnt, eine Rolle zu spielen. Benötigte Ausrüstung, notwendige Anschaffungen oder Baumaßnahmen werden dann auf die lange Bank geschoben oder gar abgelehnt. Dass diese aber im Endeffekt Schutz und Motivation für die Feuerwehrler darstellen würden, spielt dann keine Rolle mehr.

(Musterpressetext des LFV Bayern e. V., überarbeitet von F. Heller)

Lesen Sie hier
einen Artikel zum Thema
“Einsatzbelastung und -spektrum”.


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