Zivilcourage
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Feuerwehren sind mittlerweile “Mädchen für alles”

Nicht jeder Einsatz ist notwendig -
Feuerwehren rufen zur Selbsthilfe auf

Bei nicht allen Einsätzen des vergangenen Jahres im Landkreis hätte die Feuerwehr ausrücken müssen, so die Einschätzung der Einsatzkräfte. Immer häufiger greifen Bürger und Bürgerinnen vorschnell zum Handy und bedienen sich der Institution der Feuerwehren. So rückten Einsatzkräfte bereits zu Unwettereinsätzen aus, bei denen schon kleine und mittelgroße Äste, die auf Straßen oder Gehwegen lagen, gemeldet worden waren, obwohl jeder diese schnell mit einem Griff beiseite hätte schaffen können.

Keineswegs wollen die Feuerwehren dazu aufrufen, sich selbst in Gefahr zu bringen. Im Zweifel sollte immer der Notruf 112 abgesetzt und auf Eigenschutz geachtet werden. Die Kehrseite von übermäßigen und niedrigschwelligen Einsatzmeldungen jedoch: Feuerwehrleute verlassen beispielsweise wegen eines “Ästchens” ihren Arbeitsplatz, was dort immer häufiger angesichts derartiger “Lappalien” zu Problemen führt.

Feuerwehrdienst wird in Bayern überwiegend ehrenamtlich geleistet. Dies bedeutet, dass der Feuerwehrangehörige tagsüber seinen Arbeitsplatz verlässt, wenn der Meldeempfänger oder die Sirene zum Einsatz rufen. Wenn dann aber die Alarmierung zu einem vollgelaufenen Keller führt, der bei Eintreffen der Feuerwehr nur drei Zentimeter unter Wasser steht, und sich bei den Einsatzkräften der Eindruck aufdrängt, dass der Hausinhaber lieber weiter das vormittägliche Fernsehprogramm genießt, als die Einsatzkräfte zu unterstützen oder gar selbst Hand anzulegen, dann ist nicht nur bei Arbeitgeber wenig Verständnis zu erwarten.

Das Einsatzspektrum der Feuerwehren ist in den letzten Jahrzehnten immer vielfältiger geworden. Von der klassischen Brandbekämpfung bis hin zur immer vielfältiger werdenden technischen Hilfeleistung gibt es nahezu keinen Bereich mehr, in dem die Feuerwehren nicht tätig werden müssen. Feuerwehren bekämpfen Brände aller Art, sei es der Mülltonnenbrand, ein PKW-Brand, ein Wohnhausbrand oder der Brand eines Reifenlagers in einem Industriebetrieb. Feuerwehren retten Menschen bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen, aus den oberen Stockwerken eines Hauses, wenn das Treppenhaus zu eng ist, wenn ein Hausbewohner sich nicht mehr meldet oder vermisst wird. Feuerwehren kümmern sich um auslaufendes Öl oder Gefahrstoffe, wie Säuren und Laugen. Feuerwehren sind bei Zug-, Schiffs- oder Flugzeugunfällen ebenso zur Stelle wie bei Wasser-, Sturm- und Hochwasserschäden. Rund 10.000 Personen in Bayern wurden von sogenannten „First-Responder-Einheiten“, die mit der “organisierten Erste Hilfe” die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken, im vergangenen Jahr betreut und versorgt.

Im Hinblick auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung, einer immer angespannteren Arbeitsmarktlage und einer immer schwieriger sicherzustellenden Tagesalarmsicherheit werden sich die Feuerwehren auf ihr “Kerngeschäft” konzentrieren müssen. Hierbei kann jeder mithelfen, indem er beispielsweise nicht sofort nach der Feuerwehr ruft, sondern erst einmal überlegt, ob das Ästchen auf dem Radweg nicht selbst gefahrlos beseitigt werden kann.

(Musterpressetext des LFV Bayern e. V., überarbeitet von F. Heller)

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einen Artikel zum Thema
“Vorurteile und die Realität”.


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